Im Senior-Living-Segment werden hochwertige Service-Wohnanlagen angeboten. Die betreuten Wohnkonzepte gewährleisten das selbstbestimmte Wohnen bis ins hohe Alter. Im Agaplesion Haus Saalburg in Frankfurt am Main beispielsweise bietet das Unternehmen Terragon insgesamt 53 Wohneinheiten.
Terragon AG

Goldenes Zeitalter

Investments in Seniorenwohnanlagen dürften besonders im mittleren und gehobenen Segment weiter zulegen. Denn die alternde Bevölkerung, der wachsende Wohlstand und das begrenzte Angebot bringen den Markt in Bewegung und beflügeln das Interesse der Anleger. Von Paul Allen

Viele Seniorenwohnanlagen bieten inzwischen separate Wohnein­heiten mit bedarfsgerechter Betreuung einschließlich medizinischer Versorgung“, erklärt Samantha Rowland, die bei der internationalen Immobilienberatung Savills den Bereich UK Senior Living verantwortet. „Das Leben in einer solchen Gemeinschaft schützt unter anderem vor sozialer Vereinsamung.“


Im Bereich Seniorenimmobilien entfielen in den letzten fünf Jahren 68 Prozent des europäischen Investitionsvolumens auf Großbritannien und Frankreich. Im Vereinigten Königreich zeichnet sich das gehobene Segment durch ländlich geprägte Anlagen mit typischerweise mehr als 100 Wohneinheiten auf Eigentumsbasis aus. Die Kaufpreise liegen nach Auskunft der Expertin je nach Lage und Ausstattung in der Regel 10 bis 15 Prozent über dem allgemeinen Preisniveau am Wohnimmobilienmarkt.


Im UK-Markt werden Eigentumsobjekte und Mietmodelle angeboten

Beim Anbieter Audley Villages werden Häuser und Wohnungen auf Leasehold-Basis mit Vertragslaufzeiten von bis zu 250 Jahren verkauft. In einem zentra­len Gebäude sind ein Restaurant, ein Bistro, eine Bibliothek, ein Schwimmbad sowie Fitness- und Wellnesseinrichtungen untergebracht. Auch Richmond Villages bietet abgeschlossene Wohnungen, Bungalows und Häuser mit Service, einer kleinen Pflegeeinrichtung und teilweise auch Wellnesseinrichtungen an. Dabei handelt es sich überwiegend ebenfalls um Eigentumsobjekte. 


Aber auch Mietmodelle kommen im Vereinigten Königreich immer häufiger zur Anwendung, so zum Beispiel beim Projekt Auriens Dovehouse Street im Londoner Stadtteil Chelsea, wie Rowland anmerkt. Während sich Angebote dieser Art vor allem an wohlhabende Senioren richten, nimmt auch die Zahl der Projekte im mittleren Marktsegment zu, wo unter anderem Extracare Charitable Trust, Notting Hill Genesis und Anchor Hanover aktiv sind. So ist Anchor Hanover beispielsweise Englands größter gemeinnütziger An­bieter von Wohn- und Pflegeeinrichtungen mit erschwinglichen Mietobjekten an mehr als 1.100 Standorten. 


„In den britischen Kleinstädten, in denen sich die Menschen den Kauf von Alters­ruhesitzen leisten können, geht der Trend zu Wohneinrichtungen im mittleren ­Preissegment“, erklärt Yuri Dobrovolskyi,­ Leiter der Senior Living Unit bei der Marktanalyse-­ und Beratungsgesellschaft Bonard, die sich auf Seniorenwohneinrich­tungen und vermietete Wohnimmobilien spezialisiert hat.


Institutionelle Anleger streben eine Diversifizierung ihrer Immobilienportfolios an. Seniorenresidenzen sind definitiv Bestandteil dieser Anlagestrategie.
Marcus Roberts, Leiter Europe Operational Capital Markets, Savills

Kontinentaleuropäische Modelle ­berücksichtigen lokale Besonderheiten

„Auf dem europäischen Festland liegen die Seniorenwohneinrichtungen des mittleren Preissegments wegen der hohen Grundstücks- und Immobilien­preise­ meistens außerhalb der Großstädte“, stellt der Bonard-Experte fest. „Außerdem findet man in Kleinstädten auch viele gemeinnützige Einrichtungen.“ „Bei den überwiegend zur Miete angebotenen Wohneinheiten im mittleren Preissegment handelt es sich in der Regel um vollständig möblierte und ausgestattete Apartements, die einer Person 30 bis 40 Quadratmeter beziehungsweise zwei Personen 40 bis 50 Quadratmeter Platz bieten“, so Dobrovolskyi weiter. „Zur gemeinsamen Nutzung stehen meistens ein Garten, Gesellschaftsräume, Parkplätze, ein Wäscheraum sowie ein 24-Stunden-Notdienst zur Verfügung. Die medizinische Versorgung ist jedoch nicht im Mietpreis mit enthalten.“


„Frankreich setzt überwiegend auf betreutes Wohnen in Einrichtungen mit 100 bis 150 Wohneinheiten in städtischen Lagen mit guter Verkehrsanbindung an das Stadtzentrum“, so Marcus Roberts, Leiter des Bereichs Europe Operational Capital Markets bei Savills. „Viele Betreiber prüfen derzeit die Ausweitung dieses Geschäftsmodells auf ganz Europa.“ In Deutschland ist das Angebot im gehobenen Segment relativ übersichtlich, wobei das unausgeglichene Verhältnis von Angebot und Nachfrage Wachstums­potenzial bietet.


Seniorenresidenzen werden verstärkt als Investitionsobjekt angesehen

Laut einer Studie des Entwicklers Pantera können sich 54 Prozent der Deutschen vorstellen, später in eine Servicewohnung zu ziehen. „Diese Generation der Ruheständler ist wohlhabend“, erklärt Heike Piasecki, die bei der Beratungs­gesellschaft Bulwiengesa für den Bereich Wohn­immo­bilien und Servicewohnungen verantwort­lich zeichnet. 


„Bei Servicewohnungen im gehobenen Segment ist definitiv ungedeckter Bedarf vorhanden.“ Nach Auskunft von Michael Held, Vorstandsvorsitzender des in Berlin ansässigen Unternehmens Terragon, das sich auf den Bau von Seniorenwohnungen spezialisiert hat, gibt es in Deutschland rund 30.000 Servicewohneinheiten im gehobenen Segment. Nach seiner Schätzung werden noch 80.000 bis 90.000 weitere Einheiten benötigt. Die von Terragon entwickelten Wohnkomplexe richten sich an Senioren, die ihren unabhängigen Lebensstil beibehalten wollen. Ein Restaurant sowie ein Wellness- und Fitnessbereich gehören zur Standardausstattung. 


Bei Anlegern bleiben diese Entwicklungen nicht unbemerkt. „Wohnanlagen werden als Investitionsprodukt immer beliebter“, erklärt Felix von Braun, Vorstandsvorsitzender von DPF, der anmerkt, dass Komplexe im gehobenen Segment meistens nicht mehr von den Eigentümern selbst betrieben werden. Analysen von Savills zufolge liegen die Spitzenrenditen für selbst vermietete Seniorenresidenzen zwischen 3,5 und 5 Prozent, wobei Real Estate Investment Trusts, Versicherungsgesellschaften, Pensionsfonds, Investmentmanager und Projektentwickler in diesem Bereich zunehmend aktiv werden. 


„Institutionelle Anleger streben eine Diversifizierung ihrer Immobilienportfolios an. Dabei ist ein klarer Trend zu Wohnimmobilien zu beobachten“, meint Marcus Roberts. „Seniorenresidenzen sind definitiv Bestandteil dieser Anlagestrategie.“


Von Paul Allen


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