Sunniva Stüven, Friedrich Georg Warmbold und Ann-Kathrin Falchi (v. l. n. r.). Bei Union Investment gehören sie zur Next Gen, die den eingeschlagenen Wachstumskurs des Unternehmens tatkräftig unterstützen soll.
Sebastian Vollmert

Generation Vielfalt

Union Investment will die „Next Generation“ zur treibenden Kraft der Wachstumsstrategie machen. Die frischen Impulse der jungen Generation gehen Hand in Hand mit den wertvollen Erfahrungen der gestandenen Immobilienkolleginnen und -kollegen. Text von Elke Hildebrandt, Fotos von Sebastian Vollmert

Divers besetzte Teams aus erfahrenen und jungen Mitgliedern bieten viele Vorteile. Ein Altersunterschied von 16 Jahren etwa verhalf jüngst in Tokio den beiden Olympia-Kanuten des gefeierten „Generationenboots“ aufs Siegerpodest. Das Erfolgsrezept des ungleichen Athleten-Duos: Der Senior brillierte mit Erfahrung und behielt den kühlen Kopf, der Junior überzeugte mit jugendlicher Kraft, Lockerheit und seiner Frische. Das Beispiel zeigt, wie sich mit einem gelungenen Generationenmix und einem intensiven gemeinsamen Training hochgesteckte Ziele erreichen lassen. 


Michael Bütter, CEO bei der Union ­Invest­ment Real Estate GmbH in Hamburg, verfolgt ebenfalls ambitionierte Ziele und will dabei das Wissen und die Kompetenz der erfahrenen Mitarbeitenden an die junge Generation, die Next Gen, weitergeben. Gegenseitig voneinander lernen und profitieren, lautet die ­Devise. „Für die Umsetzung unserer Wachstumsstrategie brauchen wir mehr junge Talente ab 20 bis 35 Jahre“, sagt Bütter. „Die vorhandene wertvolle Erfahrung der älteren Kolleginnen und Kollegen muss auf die nächste Generation übertragen werden, um sie für unser Unternehmen zu sichern.“ Der promovierte Unternehmenslenker wirbt intern für einen bunteren Generationenmix und sieht darin weitere Vorteile: „Die junge Generation bringt neue Impulse und Sichtweisen ein, die wir zu schätzen wissen.“ Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Mobilität, das seien nur einige der Themen, in denen junge Nachwuchskräfte sehr bereichernd sein können für bereits gestandene Immobilienmanager.


Next Gens übernehmen wichtige Rolle im Transformationsprozess

Die Vertreter der Next Gen muss Bütter nicht erst überzeugen – bei ihnen rennt er mit seiner Personalstrategie offene Türen ein. Die jungen, top ausgebildeten Nachwuchskräfte sind sich sicher, dass sich die Berufseinsteiger und die Erfahrenen wechselseitig unterstützen und voneinander profitieren können. Union Investment punktet daher bei den Young Professionals, die ihrerseits mit fachlicher Eignung, Persönlichkeit und sozialer ­Kompetenz aufwarten. Wer als junger Mitarbeiter an Bord geholt wird, hat einiges an Expertise für das Unternehmen und seine erfahrenen Kollegen zu bieten – und soll nebenbei das vergleichsweise hohe Durchschnittsalter von 44 senken. 


Wichtige Einstiegswege bieten sich jungen Talenten über das stark nachgefragte einjährige Traineeprogramm sowie über fach- und bereichsspezifische Direkteinstiege in Form von Junior-Positionen. Next Gens wie Ann-Kathrin Falchi (29), Sunniva Stüven (29) und Friedrich Georg Warmbold (32) stehen stellvertretend für eine aufstrebende Generation von Immobilienspezialisten und den bei Union Investment begonnenen Transformationsprozess. 


Friedrich Georg Warmbold, Ann-Kathrin Falchi, Alejandro Obermeyer, Leiter Investment Management DACH,und Sunniva Stüven (v. l. n. r.). Die Kollaboration der Generationen bietet allen Beteiligten viele Vorteile.
Sebastian Vollmert

Der Cross-Mentoring-Ansatz bietet vielfältige Jobeinstiege und Karrierewege

Warmbold beispielsweise arbeitet bereits seit sieben Jahren bei Union Investment und blickt schon auf einen beachtlichen Karriereweg zurück. Seine berufliche Entwicklung vom Junior Investment Manager zum Senior Investment Manager und vor Kurzem die Beförderung zum Gruppenleiter gilt als ein Beispiel für die erfolgreiche Kollaboration zwischen den Generatio­nen. „Ich hatte bereits erste Berufserfah­rung und bin im Jahre 2014 auf einer Junior-Position gestartet. Ich hatte Glück und durfte unmittelbar Marktverantwortung für Spanien und Irland von meinem Vorgänger übernehmen. Dadurch konnte ich mich weiterentwickeln und schnell behaupten“, sagt Warmbold. Sein Track Rekord ist durch das Aqua-Portfolio sowie Bestands- und Projektankäufe vor allem in UK und Irland geprägt und beläuft sich mittlerweile auf mehr als 4 Milliarden Euro. Heute gibt der Gruppenleiter seinerseits seine Erfahrung an Einsteiger und jüngere Kollegen weiter, wickelt komplexe Transaktionen ab und steuert interdisziplinäre Projektteams. Was hat ihn zu dem gemacht, was er heute ist? 


„Vor allem die Chance, Verantwortung zu übernehmen“, sagt Warmbold, „und dass ich in meinen Gruppen- und Abteilungsleitern Adam Irányi und Martin Schellein Führungskräfte an meiner Seite hatte, die mich eigenständig arbeiten ließen und gleichzeitig unterstützt haben.“ Für Warmbold ist das Vertrauen des Vorgesetzten in die Arbeit eines Juniors eine wichtige Voraussetzung, um überhaupt sein Potenzial entfalten zu können. „Weil ich auch in der Außenwahrnehmung von Anfang an für Transaktionen verantwortlich sein durfte, konnte ich das nötige Selbstvertrauen zügig auch gegenüber externen Geschäftspartnern aufbauen. Das ist im Transaktionsgeschäft unerlässlich, um erfolgreich auftreten zu können.“ 


Aus Sicht von Unternehmenschef Bütter ist Verantwortung übernehmen sowieso keine Frage des biologischen Alters, sondern hängt vielmehr von den Fähigkeiten und der Persönlichkeit eines Mitarbeitenden ab. „Wir haben junge Kolleginnen und Kollegen, denen wir verantwortungsvolle Aufgaben übertragen können und sollten. Dies zu ermöglichen und unterstützend zu begleiten, ist für alle Führungskräfte eine vordringliche Aufgabe“, sagt Bütter. 


Für Ann-Kathrin Falchi, die im Jahr 2018 nach ersten Stationen in der Immobilienwirtschaft als Trainee bei Union Investment startete und heute als Portfoliomanagerin für drei paneuropäische Immobilien-Spezialfonds zuständig ist, war es besonders wichtig, Einblicke in unterschiedliche Abteilungen zu bekommen, um den eigenen Berufsweg zusammen mit dem Unternehmen optimal ausrichten zu können.


Wir brauchen mehr junge Talente ab 20 bis 35 Jahre. Die vorhandene wertvolle Erfahrung der älteren Kolleginnen und Kollegen muss auf die nächste Generation übertragen werden, um sie für unser Unternehmen zu sichern.
Michael Bütter, CEO, Union Investment Real Estate

„Die größte Herausforderung der Next Gen ist es, sich mit dem persönlichen Karriereweg aktiv auseinanderzusetzen und herauszufinden, wo man seine Stärken am besten einsetzen kann. Wofür brenne ich? Bei der Beantwortung dieser Frage hilft nicht nur die persönliche Reflexion, sondern auch der aktive Austausch mit erfahrenen Kollegen “, sagt Falchi. 


Sunniva Stüven, deren Berufsweg bei ­Union Investment in diesem Jahr als Junior Investment Managerin für die Region DACH begonnen hat, betont: „Die Next Gen erwartet nicht, dass sie ohne Eigen­initiative eine Führungsposition angeboten bekommt. Was sie sich aber wünscht, ist eine Zusammenarbeit auf Augen­höhe.­ Wir können mit frischer Sicht auf die Dinge einen Mehrwert liefern und sind von einem Cross-Mentoring-Ansatz überzeugt.“ Es gehe darum, aktiv den Austausch einzufordern und diesen als Bereicherung für alle im Unternehmen vertretenen Generationen zu sehen. 


Erstmals verliehen: ein Award für die Top 30 unter 30 Jahren

Falchi und Stüven wurden in diesem Jahr mit einem Award ausgezeichnet. Sie erhielten zwei der erstmals 30 verliehenen Auszeichnungen als Most Aspiring Talent (MAT) und gehören nun zu den „Top 30 unter 30 Jahren der deutschen Immobilienwirtschaft 2021“. Den MATs und auch anderen engagierten Nachwuchskräften wird zugetraut, neue Lösungen und Ideen für die Probleme der Immobilienbranche entwickeln zu können. Es gilt jedoch noch einige Hürden zu überwinden, damit sich Nachwuchskräfte erfolgreich etablieren könnten, so das Ergebnis einer Um­frage­ der Next-Gen-Mindset-­Initiative­ des MAT-Netzwerks mit mehr als 170 Teil­nehmern: „Rund 50 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass es jungen Talenten in der Immobilienbranche an Förderung und Mentoring mangelt“, berichtet Stüven. 


Auch in der Feedbackkultur und den Hierarchiestrukturen wird Verbesserungsbedarf gesehen. Kein Wunder, dass die Partnerschaft zwischen den Generationen und die Teamkultur einen wachsenden Stellenwert im War for Talents einnehmen. „Alle Beteiligten haben ihren Beitrag zu leisten, sodass der Austausch funktioniert und Missverständnisse vermieden werden“, sagt Stüven. Weitere Anliegen der Next Gen, so berichten Falchi und Warmbold, seien die Nahbarkeit und der Austausch auf informeller Ebene. Beides habe durch die Corona-Einschränkungen etwas gelitten. 


Ob eine Duz-Kultur dabei helfen würde, die Hürden abzubauen? „Ich finde, man kann auch sehr nahbar sein, wenn man sich siezt“, sagt Falchi. „Aber das Duzen macht vieles unkomplizierter. Beispielsweise beim Aufbau eines persönlichen und lebendigen Netzwerks.“ Die junge Immobilienexpertin hat in Sachen Cross Mentoring einen „Lifehack“ für Neueinsteiger parat, denn gerade das Netzwerk sei ein Schlüsselfaktor. „Es ist sehr wichtig, sich auch unternehmensübergreifend regelmäßig und intensiv auszutauschen.“ Falchi empfindet ihr persönliches Enga­gement in Foren und Ehrenämtern keineswegs als Arbeit: „Der Austausch macht mir einfach extrem viel Spaß“, sagt sie. Zwei Abende pro Woche könnten es schon mal werden, meint die Portfoliomanagerin, aber das sei gut investierte Zeit. 


Ein Next Generation Board wird die Geschäftsführung beraten

In Kürze wird auch die Geschäftsführungsebene des Immobiliensegments von Union Investment unter der Leitung von Bütter mehr Zeit in die Next-Gen-Kollaboration investieren. Dazu wird ein neuer Weg beschritten und dem gewünschten Austausch ein eigenes Gremium gegeben. Die Idee dazu hatte Ann-Kathrin Falchi und stieß damit im Hause auf großen Zuspruch bei Vertretern aller Generatio­nen. Ein junges, interdisziplinäres und möglichst geschlechterparitätisch zusammengesetztes Gremium mit dem Namen Next Generation Board wird nun bald die Geschäftsführung bei zukunftsweisenden Entscheidungen beraten und als Impulsgeber unterstützen. Das unterstreicht, wie offen und breit der Generationen­austausch mittlerweile praktiziert wird. Für beide Seiten dürfte das außerordentlich spannend und lehrreich werden.


Text von Elke Hildebrandt, Fotos von Sebastian Vollmert


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